Wir über uns

Karate wird bei der HT16 seit 1984 angeboten. Harald Langhoff gründete damals diese Sportabteilung und gab 26 Jahre lang das Training in der Stilrichtung Wado Ryu. Er führte viele Sportler u.a. zum Schwarzgurt (Dan-Grad), ohne dabei seine eigenen Wurzeln des Karate-Sports durch Meister (Sensei) Teruo Kono zu vergessen. Zum November 2010 beendete Harald seine Aktivität als Trainer; eine Begebenheit, die uns zum Dank verpflichtet und die zu einem Rückblick einlädt.

 

Interview mit Harald Langhoff

Geführt am 25.11.2010

Fragen: Martin Kreidt

 

Wann hast du mit Karate angefangen?

Das ist schon ewig her. Das war 1970. An der Uni gab es ein Breitensportangebot und da gab es auch Karate, die Zeit passte gerade gut und so sind mein Bruder und ich bei Wado Ryu gelandet. Das Uni Karate hat mich über Jahrzehnte begleitet.

 

Inwiefern?

Ich gehörte zu den Langzeitstudenten (zwei Studienabschlüsse) und habe auch während meiner späteren Berufszeit dort weiter trainiert. Es war ein guter Ausgleich zum theoretischen Büffeln und zu meiner Büroarbeit. Die ersten Jahre war ich nur breitensportorientiert dabei, aus Fitnessgründen, ohne weiterführende Gedanken.

 

Warum Karate?

Mein Bruder war die treibende Kraft. Ich bin mitgegangen. Karate war etwas für mich Neues und einen gewissen Hang zur Exotik und zu anderen Ländern hatte ich damals schon. Fußball wäre „zu langweilig“ gewesen. Und die „Selbstverteidigung“ und die „Geistesschulung“ spielte auch eine Rolle.

 

Macht Karate etwas mit dem Geist?

Ja. Bei mir zunächst einmal in der Auseinandersetzung mit der eigenen Unfertigkeit, sie anzunehmen, mit ihr umzugehen und auch mit dem Umgang mit Stress, wenn man etwa Freikampf betreibt. Man spürt, wie man tickt, man lernt sich und seine Reaktionsformen kennen. Das empfinde ich als echte Bereicherung. Ich wurde reflektierter über meine Stärken und Schwächen und kann manchmal im Alltag gelassener in schwierige Situationen hinein gehen.

Karate macht körperlich ganzheitlich fit, da zum Beispiel nicht nur eine Körperextremität trainiert wird. Konzentriertes Üben schafft bei mir eine schnelle Loslösung vom Alltag mit seinen Sorgen und eine gute Entspannung. Ich finde aber vermessen zu behaupten, das Karate(-training) aus jedem einen „besseren“ Menschen macht.

 

Du sagtest, am Anfang hast du Karate eher locker betrieben. Wann hat sich das geändert.

Zum einen durch das kontinuierliche und beeindruckende Training bei meinem Lehrer Teruo Kono und auch durch Lehrgänge. So lud T. Kono häufig andere meist japanische Lehrer ein, die Karate auf andere Art präsentiert haben und es wurde spannend zu sehen: Wo ist das Gemeinsame in der Bewegungskultur, obwohl sie vom Alter und vom Körper her ganz unterschiedliche Typen waren.

Das machte Lust, mehr von Karate zu verstehen. So konnte ich über den Tellerrand blicken, was mich in den ersten Jahren nicht interessiert hatte.

Zum anderen boten wir an der Uni immer mehr Kurse an und brauchten Trainer. Als ich selber Karate vermittelte, musste ich mich mehr mit dem Sinn und Zweck befassen, um die Fragen der Sportler beantworten zu können.

 

Warum bist du beim Wado Ryu gelandet?

Das war zunächst einmal Zufall, stellte sich später aber als glückliche Fügung heraus. Mich faszinierte, dass Wado Ryu viele Dreh- und Ausweichbewegungen hat. Dadurch haben Menschen mit unterschiedlichen körperlichen Vorraussetzungen größere Erfolgschancen und dadurch werden auch Menschen angezogen, die nicht über eine wuchtige Körpermasse verfügen.

 

Wer war für dich der entscheidende Lehrer – dein Meister?

Das war Teruo Kono. Er kam relativ früh nach Europa. Er war Architekt, arbeitete aber hier im In- und Export. Als Nicht-Profi, aber mit Profi- Fähigkeiten unterrichtete er an der Hamburger Uni und in anderen Ländern als Nationaltrainer. Für mich war er ein sehr herausragender Trainer, was sein Trainingsstil, sein Verhalten und seine Fähigkeiten anbelangt. Das besondere war, dass er zwar Respekt erwartete, aber man sich menschlich auf Augenhöhe begegnete. Es war nur fachlich ein Lehrer-Schüler-Verhältnis. Er erwartete keine Unterwürfigkeit, sondern Engagement im Training. Er hat über Jahre kontinuierlich für minimale Vergütung Karate im Uni-Breitensport gelehrt.

 

Wie war das Training?

Es war klar strukturiert. Es begann mit umfänglicher Gymnastik, die einen durchaus fit gemacht und manchmal schon im Vorfeld erschöpft hat. Dann folgte Hochtempo-Kihon (Karate-Grundschule) mit Kombinationen und danach Partnerübungen. Die drei Blöcke waren eher auf Bandbreite als auf einzelne Techniken hin ausgerichtet. Die Partnerübungen waren meist eher anwendungsorientiert.

 

Hatte er Humor?

Für lustige Unterhaltungen war er schon zu haben. Für mich war es aber eine gewisse Schwierigkeit bei Kono sensei als Japaner die jeweiligen Facetten einschätzen zu können.

 

Seit wann gibst du Training bei der HT16?

Seit 1984. Kono sensei hatte uns damals gebeten Wado Ryu Karate in Hamburg stärker zu verbreiten. Wir schrieben verschiedene Vereine an und kamen u.a. bei der HT16 zum Zuge. Seit 26 Jahren bin ich dort nun schon tätig und damit länger als im Beruf oder bei einzelnen Arbeitgebern. Lacht.

 

Wie hat sich das Training bei der HT16 entwickelt?

Damals gab es eher einen Run auf Karate und wenig Anbieter. Wir konnten die Trainingszeiten ausweiten. Die HT16 hat das sehr positiv mit begleitet. Im Laufe der Jahre habe ich viele Menschen an das Karate herangeführt und einige zum ersten Dan begleitet. Mehrere haben dann auch als TrainerInnen gewirkt. Das Trainerteam erweiterte sich.

Einbrüche in der Teilnehmerzahl kamen dann auch dadurch, das Karate nicht mehr den „Hype“ hatte und es „an jeder Ecke“ mit werbeträchtigen Botschaften wie „In 24 Stunden unbesiegbar“ angeboten wurde. Die Karatelandschaft zerfledderte immer mehr.

Ich oder auch die Karateabteilung war auch der Tradition, dem reinen Karate oder dem üblichen Trainingsstil mehr verschrieben als den reinen Mitgliederzuwächsen. Dadurch haben wir manche Trends wie Sound Karate oder „Karateaerobic“ nicht aufgegriffen.

Das „Brennen für Karate“ und die Mitarbeit im Vereinsleben hat sich bei mir durch familiäre Belastungen und berufliche Eingespanntheiten im Laufe der Jahre immer weiter verschoben und auch anders ausgerichtet. So interessiert mich jetzt mehr das Zusammenspiel von Körper, Geist und Psyche in der Bewegung. Dadurch bin ich auch im prüfungsorientierten Training nicht mehr so zu hause.

Insofern ist es jetzt auch an der Zeit mich aus dem Trainerteam zurückzuziehen und dadurch auch den „Stab“ in jüngere Hände zu geben.

Karate ist für mich eine super “Sportart“ und bei der HT16 gut aufgehoben. Das betonen auch immer wieder viele HTler, die nach vielen Jahren wieder zum Karate zurückfinden. Aber jetzt werde ich das als Mitglied und weniger als Trainer weiter begleiten.

Ich finde wir haben ein gutes und vielseitiges Trainerteam, was die Karateabteilung voranbringt. Dafür wünsche ich viel Glück.

Ich bedanke mich bei den vielen HTlern, die mein Training und mich über viele Jahre engagiert und zugewandt begleitet haben.

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