100 Jahre Schwimmen in der HT16

 Mit einer einer großen Jubiläumfeier in der Aula der Schule Hohe Landwehr feierte die Schwimmabteilung ihr 100jähriges Bestehen. Dazu waren auf Einladung der Abteilung über sechzig ehemalige Schwimmerinnen und Schwimmer erschienen. Dazu kamen zahlreiche Ehrengäste aus befreundeten Vereinen sowie der Vorsitzende des Hamburger Schwimmverbandes Ditmar Schott. Die Aula war mit fast 200 Gästen sehr gut gefüllt. Es wurde in Erinnerungen geschwelgt und die aktuellen Vereinsmeister geehrt.

Auszüge aus der Geschichte der Schwimmabteilung liefert der nachstehende Bericht sowie der beigefügte Bericht Wochenblatt http://www.hamburger-wochenblatt.de/hamm/sport/ .

Die Geschichte der Schwimmabteilung

Am 2. Dezember vor genau 100 Jahren – also anno 1912 – wurde die Schwimmabteilung der HT16 gegründet. Um dem denkwürdigen Ereignis Rechnung zu tragen, haben sich engagierte Mitglieder aus unterschiedlichen Generationen in den letzten Wochen zusammengefunden mit dem Vorhaben, eine Chronik zu erstellen. Eine große Herausforderung.

 

Mit Fotoalben, Erinnerungskisten und alten Vereinszeitschriften bewaffnet, treffen Uwe Isberg, Maren Schimmelpfennig, Natalie Reuß und Andreas Wolff zum „Round Table“ Gespräch ein. Welches waren die wichtigsten Ereignisse, die größten Errungenschaften, die tiefsten Niederlagen der vergangenen Jahrzehnte? Die Antworten liegen im Auge des Betrachters. Zu unterschiedlich waren die politischen Umstände und die sportlichen Möglichkeiten. Eine Vergleichbarkeit lässt sich schwer herstellen. Jedes Jahrzehnt hat seine Eigenheiten. Es ist eine Geschichte von Brüchen, Neuanfängen und jeder Menge persönlichen Engagements.

 Die Anfänge …

… bringen bereits 1912 bei der  „Alsterlust“-Staffel in der Badeanstalt Schwanenwik erste Erfolge. Die Saison – man kann es sich denken – beschränkt sich in dieser Zeit auf die Sommermonate, beheizte Hallenbäder sind noch Zukunftsmusik. Zu den Highlights des Jahres gehörte die Teilnahme an den Norddeutschen Meisterschaften in Bückeburg. Hier wurden die Wasserballer 1927 Norddeutscher Meister. Ein weiterer Höhepunkt waren die jährlich in Berlin ausgetragenen Deutschen Meisterschaften. Hier siegten die Wasserballer bereits 1925. Während des Zweiten Weltkriegs ist das Vereinsleben stark reduziert und die ansonsten lückenlose Dokumentation unterbrochen.

 Wiedergeburt nach dem zweiten Weltkrieg

Uwe Isberg, mit 75 Jahren der Älteste in der Runde, ist ein Zeitzeuge, der seine aktive Zeit in den 50er Jahren hat. „ Ich erinnere mich noch gut an die jährlichen Schwimmwettbewerbe in Rostock, an die Sommerreisen nach Puan Klent auf Sylt und natürlich an unsere legendären Weihnachtsfeiern im Europäischen Hof“, erzählt der pensionierte Lehrer. Die Abteilung umfasst in den ersten Jahren nach dem Krieg rund 50 Mitglieder, die Atmosphäre ist dementsprechend familiär. Mit großem Elan finden sich Schwimmerinnen und Schwimmer zusammen, die bald regelmäßig zum Nordseeschwimmen nach Cuxhaven und zum Jahnschwimmfest nach Osnabrück fahren. Wasserball und Turmspringen kommen hinzu. Mit Jürgen-Ulrich Meyer wächst in den 50er Jahren ein Talent heran, das bereits 1953 Hamburger Jugendmeister wird. Ein Jahr später ist er der schnellste Hamburger über 200 m Brust. Im Jahr 1955 erobert Peter Hünert den zweiten Platz in der Jugendbestenliste über 100 m Brust des damaligen Deutschen Schwimmer Bundes. In dieser Zeit ist die Abteilung eine der Aktivsten in der HT16 und wächst auf 400 Aktive an.

Belege für die umfassenden Aktivitäten sind auch die regelmäßigen Clubwettkämpfe mit dem SC Empor Rostock, die bis zum Mauerbau zweimal jährlich durchgeführt werden.  Dazu kommen die Weihnachtsfeiern im Europäischen Hof, an denen 1956 bereits 150 Mitglieder teilnehmen. Für diese Feier wird jährlich von den Mitgliedern eine Weihnachtszeitung erstellt, in der jeder „sein Fett“ weg bekommt.

 Anfang der 60er Jahre geht der Stern von Peter Schröder am Schwimmerhimmel auf. Er wird 1961 und 1962 mehrfacher Hamburger Jugendmeister. Beim 25. Jahnschwimmfest in Osnabrück erhält die HT16 im Jahre 1964 eine Jubiläumsmedaille, weil sie als einziger Verein bei jeder Austragung dabei war. Im diesem Jahr richtet die HT16 auch die Norddeutschen Meisterschaften im Freibad Lattenkamp aus.

 Die beginnenden 70er Jahre sind von sportlichen Erfolgen geprägt. In der 10-Besten-Liste des Verbandes sind die Schwimmerinnen und Schwimmer 63 mal vertreten. Im Jahre 1973 wird der Sohn unseres damaligen Trainers, Bodo Studtmann jun., erfolgreichster Schwimmer bei den Hamburger Kindermeisterschaften. 1974 tauchte Bodo erstmals in der 10 Bestenliste des Deutschen Schwimmverbandes über 400 m Lagen auf Platz 9 auf.  Unsere Wasserballer Herren steigen 1973 in die höchste Hamburger Liga auf und können sich dort lange Zeit behaupten. 1976 wird die erste Hamburger Meisterschaft im Damen Wasserball ausgespielt, und die Siegerinnen kommen von der HT16. Das gleiche Kunststück gelingt ihnen noch einmal in der Saison 1977/78. Erster Schwimmer der HT16 unter der Schallmauer von 1:00 Minuten ist 1977 Peter Rautmann mit 0:59,10 Minuten.

 Viel Spaß und Geselligkeit …

… brachten die späten 70er und 80er Jahre, an die Maren Schimmelpfennig (45 Jahre) und Andreas Wolff (46 Jahre) beste Erinnerungen haben. Beide haben ihre ersten Schwimmerfahrungen in der HT16 gemacht und sich als Jugendliche bis in den Leistungsbereich vorgeschwommen.. Zu den Höhepunkten gehören die herbstlichen Trainingslager in Porta Westfalica, Sessen und St. Andreasberg im Harz oder Lübeck sowie die jährliche Teilnahme am Jahnschwimmfest in Osnabrück und die Vergleichskämpfe mit der SG Lichterfelde Süd West in Berlin. In aller Munde sind auch die sommerlichen Reisen zu den Wasserballturnieren in Holland. Hier wird campiert und die Geselligkeit gepflegt. Doch es sind weniger die Medaillen und Rangplätze, die die beiden mit ihrer aktiven Schwimmzeit verbinden, sondern vielmehr die persönlichen Erinnerungen an eine Zeit, die noch immer weit entfernt ist von heutigen Standards. „Die Chlorzufuhr in den Becken des Neumann-Reichardt-Bades wurde damals nach Gutdünken vorgenommen. So etwas wäre heute gar nicht mehr zulässig“, erinnert sich Maren. Für Andreas war diese Zeit oftmals der Kampf ums nackte Überleben: „Die Freibadsaison begann Mitte Mai. Ich weiß noch genau, wie wir Jungs blau gefroren im Aschbergbad im kalten Wasser trainieren mussten, während uns der Trainer Michael Weltewitz – bekleidet mit Parka und Mütze – am Beckenrand antrieb. Wer am längsten durchhielt, hatte gewonnen. Der Sprung ins Wasser für den Erwerb des Freischwimmers wurde damals nicht vom Sprungbrett, sondern von der Schulter des Trainers Bodo Studtmann absolviert. Die intensiven persönlichen Kontakte von einst haben noch heute Bestand“, sagt Andreas, für den das sonntägliche Fußball- und Fitnesstraining der Schwimmer mit anschließendem Bierchen im Vereinslokal Ehrensache war. Aber auch sportlich gibt es in den 80er Jahren immer wieder Lichtblicke. Die männliche B- Jugend im Wasserball wird 1980 ungeschlagen Hamburger Hallenmeister ihrer Klasse. Im Jahre 1983 erreichen die Damen bei den Deutschen Mannschaftsmeisterschaften den zweiten Platz in der Bezirksliga. Mitte der 80er Jahre übernehmen die Aktiven der 60er Jahrgänge das Zepter der Abteilung. Mit viel Motivation und Engagement bauen Ina Stangenberg, Kathrin Wilkening, Maren Bartels, Dirk Metzendorf und Andreas Wolff zusammen mit Eltern ein neues Wirgefühl auf.

Schwimmer sind in Hamburg führend …,

… weiß Natalie Reuss aus den 90er Jahren zu berichten. Ihre Eltern haben sich viele Jahre in der Schwimmabteilung engagiert. Im Alter von 13 Jahren macht die heute 35-Jährige ihren Trainerschein und erinnert sich nicht nur an „starke Schwimmjahrgänge“, sondern auch einen Zusammenhalt, den es in der Vereinsgeschichte seit langer Zeit nicht mehr gegeben hatte. „1989 holte unsere E-Jugend (Jg. 1980/81) erstmals unter Trainer Andreas Wolff einen Meistertitel bei den Staffelmeisterschaften. Mit dabei war Veith Sieber, der anschließend 1993 erstmals wieder einen Deutschen Jahrgangsmeistertitel über 10 0 m Schmetterliing für die HT16 erschwamm. Bereits ein Jahr später folgte über die gleiche Strecke ein zweiter Titel sowie Silber über die doppelt so lange Strecke. Die E-Jugend blieb über viele Jahre fast unverändert zusammen und gewann regelmäßig die Hamburger Staffelmeisterschaft.“ Möglich wird diese Entwicklung durch das nimmermüde Engagement und Motivationstalent von Trainer Peter Martens, der das Traineramt 1990 von Andreas Wolff übernahm und dem Organisationstalent von Abteilungsleiter Uwe Koopmann. „Mit ihnen und der Mithilfe vieler „Schwimmmuttis“ haben wir in dieser Zeit Kinderschwimmfeste und unser Nikolausschwimmfest mit bis zu 600 Teilnehmern organisiert. Beide Veranstaltungen haben noch heute Bestand und zählen noch immer zu den Highlights der Saison“, sagt Natalie. Auch das Internationale Schwimmfest im Freibad Olloweg wird innerhalb dieser Ära von 10 Jahren zu einer Kultveranstaltung mit vielen Vereinen aus ganz Deutschland. Sportlich kann die Abteilung auf viele Teilnehmer und Medaillengewinner bei Norddeutschen und Deutschen Meisterschaften zurückblicken, wie Marcel Wenzel und Matthias Busch. Der Vorbildcharakter, den sich die HT16 in in den 90 er Jahren erarbeitet hatte, schwindet mit dem Generationenwechsel mit Beginn des neuen Jahrtausends.

 Nationale und Internationale Erfolge

Als Andreas Wolff 2001 die Leitung der Abteilung übernimmt, geht es zum wiederholten Mal in der Vereinsgeschichte um Neuordnung und Neuausrichtung. Im Jahre 2002 beendet der Vater der Erfolge, Peter Martens, nach über 10 Jahre seine Trainertätigkeit. Aus sportlichen und insbesondere organisatorischen Gründen wird 2004 die Startgemeinschaft mit Gut Heil Billstedt eingegangen. Sportlich sorgt sie  2006 für den Aufstieg unserer Herrenmannschaft in die zweite Bundesliga, wo sie bis heute unsere Farben vertritt.

Heute zählt die Schwimmabteilung wieder rund 350 Mitglieder, von denen es immer wieder Nachwuchstalente in den Landesförderkader schaffen. Derzeit gehören Bastian Vollmer, Paul Wiechhusen, Max Claussen, Norman Marcus, Marie Motylski und Rafael Miroslav zu den aussichtsreichen Kandidaten. Hinzu kommen Damen- und Herrenmannschaften, die sich in der Landesliga und der zweiten Bundesliga behaupten. Die großen sportlichen Erfolge setzen im Jahre 2005 ein, als Jason Marcus (Jg 92) fünffacher Deutscher Jahrgangsmeister in Berlin wird. 2008 erringen mit Shannan Bott und Joey Müller zwei unserer Eigengewächse jeweils Bronzemedaillen bei den Deutschen Jahrgangsmeisterschaften in Hamburg. Das Jahr 2010 bringt der HT16 dann mit der Bronzemedaille über 200 m Brust von Paul Wiechhusen bei den Deutschen Meisterschaften nationale Beachtung. Als Krönung nehmen 2011 Paul Wiechhusen, Bastian Vollmer und Max Clausen an den Jugend-Europameisterschaften in Belgrad teil. Dabei erringt Bastian Vollmer Silber über 50 m Brust und Paul Wiechhusen in der 4 x 100 m Lagen Staffel. Als Landestrainer begleitet sie unser ehemaliger Spitzenschwimmer und Trainer, Veith Sieber. Dazu gehört auch die Organisation und Durchführung des „Hamburger SprintCups“, der seit 2007 jährlich im Landesleistungszentrum Dulsbergbad ausgetragen wird. Mit bis zu 300 Teilnehmern aus Deutschland und dem benachbarten Ausland gehört der Wettkampf zu den internationalen Top Events im Nachwuchsbereich.

 Von der Wassergewöhnung bis zum Leistungsschwimmen

Aber auch wer nicht in die oberste Leistungsspitze strebt, findet bei der HT16 zahlreiche Angebote. „Die Liste der wöchentlichen Trainingsmöglichkeiten für alle Alters- und Leistungsklassen ist lang. An nahezu jedem Wochentag gibt es diverse Schwimmgruppen für Anfänger und Fortgeschrittene“, sagt Andreas Wolff, der auf 35 Jahre aktive Vereinsarbeit zurückblickt und zusammen mit Uwe Koopmann und Peter Martens seit Ende der 80er Jahre kontinuierlich an dem Aufbau der Schwimmabteilung arbeitet.

Nach einem emotionalen Rückblick mit vielen Anekdoten und Geschichten fällt den Teilnehmer: n der Jubiläumsrunde der Ausblick nicht schwer. „Wir sind stolz auf unseren Verein und unsere Schwimmabteilung“, fasst Andreas Wolff zusammen,  „und wünschen uns, dass sich auch in den nächsten 100 Jahren viele Nachwuchssportler, Unterstützer und engagierte Trainer finden, die das Vereinsleben und den Leistungssport im Wandel der Zeit fortführen.“