Sylt wird unvergesslich

Wenn man mit dem eigenen Trainer und ungefähr vierzig anderen Kindern, welche auch zehn Jahre jünger sind, als man selbst, ein Wochenende auf Sylt verbringt, sollte man sich darauf vorbereiten, dass man wahnsinnig verrückte Sachen erlebt! 

Es ist 14:10. Die letzten Kinder reden noch ein letztes Wort mit ihren Eltern und schon steigen wir alle in einen Zug ein. Man erkennt viele Menschen, doch sogar ich sehe Gesichter, welche mit Sicherheit nicht größer als sechs Jahre sind. Sobald wir im Zug sind, gibt es schon den großen Kampf um die Plätze. Überall hört man „Mein Platz!“ oder „Ich saß vor dir hier!“.

Ungefähr vierzig Minuten später steigen wir in Elmshorn um. Es herrscht ein absolutes Chaos, alle steigen schnell aus und die Kleinen suchen irritiert ihre Koffer. Gleich kommt der nächste Zug und wir setzen uns alle entspannt hin. Diesmal sind die Kleinen in einem anderen Wagon als die Großen. Die Fahrt ist lustig, alle schreien rum, jeder redet über etwas anderes, man weiß gar nicht, wo man hinhören soll. Meine Freundin liegt bereits vor Lachen mit großen Lachkrämpfen auf dem Boden und alle haben Bauchschmerzen vom Lachen. Die Reise ist sehr schnell, die Zeit vergeht und plötzlich stehen wir vor der Jugendherberge. 

„Im Untergeschoss haben wir zwei Sechserzimmer für die großen Mädels. Zimmer Nummer fünf und sechs. Wir treffen uns in einer halben Stunde hier.“, höre ich Jennifer sagen. Alle schleppen ihr Gepäck in ihr Zimmer und wir legen uns hin. Es ist schon 18:30. Wir packen unsere Sachen aus und ab zum Meer. Es war sehr windig, ohne Jacke würde man erfrieren. Da unsere Jugendherberge das einzige Haus im Umkreis von zwanzig Kilometern ist, war allen klar, dass es nichts außer der Jugendherberge hier gibt. Nach einem leckeren Abendessen gehen die Kleinen ins Bett. Wir dürfen bis wann wir wollen wach bleiben. Wir spielen Werwölfe und nachdem wir uns tausendmal gestritten haben, wie die Regeln sind, gehen wir in unser Zimmer und schlafen ein.  

Am nächsten Tag, nach dem Frühstück, gab es eine wichtige Mitteilung, für viele aber eine sehr schlimme: „Wir würden gerne die Handys einsammeln. Außerdem sind wir hier alle Sportler, deswegen gebt ihr auch eure Süßigkeiten ab und die werden dann bei den Spielen, die wir spielen, ausgeteilt. Ach und für die L1 gilt immer noch, morgens keine Nutella und abends bitte ein Salat.“, sagt Marcel mit einer fröhlichen Stimme. Schon hört man ein Ach, ein Ohhhh man und ein Warum.

Um 11:00 treffen wir uns alle vor dem Eingang mit einem Rucksack und sind alle gespannt, was wir heute machen. Wir gehen in die Dünen und zum Strand. Es ist immer noch sehr kalt, alle haben Regenjacken an und die Kleinen schmeißen Sand auf ihre Gummistiefel. Als wir den Strand erreichen fühle ich etwas Nasses auf meinem Gesicht. Es regnet. Da wir ca. 20 Minuten von der Jugendherberge entfernt sind und unser Trainer eindeutig gesagt hat, dass wir nicht wieder zurückgehen, auch wenn es regnet, bleiben wir draußen. Alle schmeißen sich gegenseitig in den Sand, wir spielen alle möglichen Spiele, wir verstecken uns zu dritt unter dem Strandkorb und fühlen unsere Hände nicht. Es ist überall Sand. Man spürt Sand in den Socken, in den Schuhen, in den Haaren und dann noch der Regen. Es ist ein spannendes Erlebnis. Wir spielen Fußball und keinen stört es, dass es regnet, bis irgendwann alle nass sind und Marcel sagt, dass wir zurückkehren. Alle freuen sich.

Sobald wir ankommen, gehen alle unter eine warme Dusche und treffen sich dann in einem Aufenthaltsraum. Da spielen wir dann die verrücktesten Spiele und feuern uns gegenseitig an. Nachdem das zu Ende ist, haben wir frei. Nachdem Abendessen gibt es noch ein Programm für die Großen. Nach dem coolen Abendprogramm gehen wir alle in unsere Zimmer. Wir legen uns hin und schlafen ein. Es erwartet uns noch eine lange Reise nach Hause.

Nachdem wir alle unsere Koffer gepackt haben, kommt um 13:20 unser Bus zum Bahnhof. Wir stellen uns zu dem Bus und riechen alle diesen starken Duft vom Benzin. Wir begrüßen den Busfahrer, er guckt uns an, und sagt dann auch irgendwann genervt: „Hallo“. Er stellt unsere Koffer in den Bus rein und lässt uns 15 Minuten draußen warten und erst dann öffnet er die Tür. Am Bahnhof kommen wir an und steigen in unseren NOB-Zug ein. Wieder passen die Großen auf die Kleinen auf, damit sie nicht etwas vergessen oder sogar nicht selbst auf dem Bahnsteig stehen bleiben. Wir fahren los. Viele wundern sich, dass das Wochenende schon vorbei ist. Auf einmal hören wir durch die Lautsprechdurchsage: „Liebe Fahrgäste, leider haben wir eine schlechte Nachricht. Ein Baum ist auf die Gleise gefallen und deswegen bleiben wir jetzt in Itzehohe stehen. Wir denken uns, es kann nicht länger als eine halbe Stunde dauern, doch wenn wir nur wüssten.

Wir stehen fast eine Stunde an diesem Bahnhof und steigen aus dem Zug, da dieser nicht weiter fahren könnte. Auch durch die anderen Züge gibt es keine Verbindung, Itzehohe-Hamburg war eindeutig gesperrt. Als erstes wird gesagt, es gäbe auch keine Busverbindung. Deswegen versuchen wir unsere Eltern zu erreichen und bitten darum, uns mit Autos aus Itzehoe abzuholen oder mitzunehmen. Im letzten Moment kommt der Schaffner und teilt uns mit, dass es noch einen Bus gibt, mit dem unser Verein fahren kann. Also werden wieder alle Eltern informiert, dass sie doch nicht nach Itzehoe fahren sollen „Mission unterbrochen!“, sagt Marcel. Somit gehen wir die Treppe hoch zum Bahnhof, jeder Große einen Kleinen in der Hand und warten. Nachdem wir in den Bus eingestiegen sind, fahren wir problemlos nach Hamburg-Hauptbahnhof und alle sind froh, dass wir nur fast zwei Stunden später nach Hause kommen.

Es war eine Reise mit unglaublich viel Spaß, auf der man aber auch manchmal Verantwortung übernehmen musste. Obwohl wir so eine komplizierte Rückreise hatten, war das Wochenende unglaublich verrückt und wurde unvergesslich!

Von Aneta Pestova